17. April 2024

Energiepolitischer Einwurf -Sicherheit der Energieversorgung-

Das existierende Energiesystem ist international vernetzt, viele Sektoren sind global, Effekte und Nebenwirkungen der Energieproduktion und des Energieverbrauchs machen nicht an nationalen Grenzen Halt, sondern haben transnationale Auswirkungen auf die Umwelt und Klima. Aus energie-, aber auch außer- und sicherheitspolitischer Sicht ist wichtig, sich die bestehenden und künftigen Risiken in der Energieversorgung identifiziert werden! An der Frage des Zugangs und der Verteilung von Energieressourcen können sich Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen entzünden. Energiesicherheit hat neben der ökonomischen Dimensionen der realen Verfügbarkeit der Energieträger auch eine nicht zu unterschätzende psychologische Dimension der gefühlten Sicherheit.

Die Regionen mit den meisten bedeutenden Energiereserven sind:

  • Westsibirien
  • Kaspische Region
  • Zentralasien
  • Naher und Mittlerer Osten

hier konzentrieren sich ca. 71 Prozent der konventionelle Weltölreserven und ca. 69 Prozent der Weltgasreserven. An erster Stelle steht das Risiko einer physischen Unterbrechung von Energielieferungen durch terroristischen Anschläge, Piraterie, Kriege oder auch Lieferstopps aus politischem Kalkül. Ein Großteil der konventionellen Erdöl- und Erdgasreserven konzentrieren sich hier und damit in politisch instabilen Regionen. Diese Förderregionen kennzeichnet das Phänomen des ,,Ressourcenfluchs“ und des ,,Rentierstaates“, das sich auf politischer Seite in Machtkonzentration sowie in der Existenz autoritärer bis totalitärer Regime und auf ökonomische Macht in einigen wenigen Händen und mündet in Korruption, Klientelismus und wirtschaftlichen Fehlallokationen. Als Beispiel könnte man hier Russland nennen!

Auch der Energiehandel kann politischen Interventionen unterliegen. Die Einnahmen aus dem Export geben den Produzenten größere Unabhängigkeit von westlichen Investitionen, und die wachsende Konkurrenz der Verbraucherländer ermöglicht es, die Energiereserven für außen- und sicherheitspolitische Interessen zu instrumentalisieren. Die politischen Risiken liegen in einer möglichen politischen Erpressbarkeit der Verbraucherländer durch die Produzentenländer. Die Versorgung mit Öl und Gas kann deswegen als politisches Druckmittel eingesetzt werden, da die Unterbrechung von Energielieferungen enorme Auswirkungen auf die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft hätte!

Der hohe Grad der (internationalen) Vernetzung macht allerdings das Energiesystem auch anfällig und setzt es vielfältigen Einflüssen aus. Das bedeutet letztlich ein hohes Ansteckungspotential, sodass sich eine kleine Krisensituation oder ein Schock in Kaskaden zu einer größeren Versorgungskrise ausweiten kann, die mehrere Sektoren erfasst. So ist denkbar, dass Lieferausfälle bei Erdgas zu einem Engpass im Stromsektor führen können, nämlich dann, wenn Gas in Kraftwerken fehlt. Dies kann in der Folge einen Blackout verursachen, der schnell zu Krisensituationen in anderen Sektoren führen könnte. Insofern muss mit Blick auf strategische Vorratshaltung und bei der Risikoanalyse auch auf Substitutionsenergien geachtet werden.

Hier spielt vor allem die Resilienz, das heißt die Widerstandsfähigkeit in potenziellen Energiekrisen, eine Rolle. Eine Energiekrise (aus Sicht des Verbrauchers) kann durch Lieferunterbrechungen und -kürzungen, aber auch durch Preisanstiege ausgelöst werden. Mit Blick auf potenzielle Versorgungsrisiken liegt also ein besonderes Augenmerk auf Bevorratung und dem Krisenmanagement. Das schafft dann auch die nötige Flexibilität im System. Diese wird durch kollektive Mechanismen gestärkt. Deutschland ist deswegen als Mitgliedsland der Internationalen Energieagentur (IEA) und er Europäischen Union in die jeweilige Krisenbevorratung und Notfallplanung für die Energieträger Erdöl (IEA und EU), Erdgas (EU) und Strom (EU) einbezogen. Hier liegt, was das Thema Gasversorgung der BRD betrifft, genau das Problem das die EU dem Projekt Nord Stream 2, aktuell sehr kritisch gegenübersteht!

Quelle: Deutsche Sicherheitspolitik (Böckenförde/Gareis)

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