21. Mai 2024

Die Wirkungsketten in der Klimakrise

In einer ökonomisch eng vernetzten Welt müssen die Folgen von Klima- und Wetterextremen nicht lokal begrenzt bleiben (direkte Schäden), sondern können sich entlang globaler Versorgungs- und Wertschöpfungsketten sowie über Preissignale weiter fortsetzen – auch über Ländergrenzen hinweg (indirekte Schäden).

Heftige Überschwemmungen in der thailändischen Hauptstadt Bangkok im Jahr 2011 hatten etwa zur Folge, dass Festplatten in Europa knapp wurden. Im Jahr 2021 machten der Holzbranche in Nordamerika Waldbrände, eine Käferplage und pandemiebedingte Schließungen von Sägewerken zu schaffen, sodass dort verstärkt Holz aus Deutschland importiert wurde. In der Folge wurde dieses in Deutschland teuer und knapp.

Durch solche Schadenskaskaden können die eigentlichen Schäden von Wetterextremen noch deutlich größer ausfallen. Für Überschwemmungen am Flüssen schätzte ein Forschungsteam, dass zu den ohnehin schon steigenden direkten Schäden (innerhalb der nächsten 20 Jahre ein globaler Anstieg um 15 Prozent auf rund 600 Milliarden US-Dollar) weitere 200 Milliarden US-Dollar durch indirekte Effekte entlang der Versorgungsketten hinzukommen könnten. Besonders kritisch sind derartige Effekte, wenn sie zu Versorgungsengpässen führen – etwa von Arzneimitteln oder Nahrungsmitteln.

Wenige Untersuchungen schätzen die möglichen wirtschaftlichen Schäden ab, die durch das Überschreiten von einzelnen Kipppunkten im Klimasystem eintreten könnten. Betrachtungen, die unter anderem mögliche Folgen verschiedener Kipppunkte integrieren, sind bisher nur vereinzelt veröffentlicht. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass die Auswirkungen solcher Kipppunkte sich auf unterschiedlichen und teils sehr langen Zeitskalen bemerkbar machen. Eine kürzlich erschienene Überblicksarbeit integrierter mehrere Abschätzungen ökonomischer Folgen durch verschiedene Kipppunkte und kommt zu dem Ergebnis, dass Kipppunkte die Social Cost of Carbon um circa 25 Prozent erhöhen (verglichen mit einer Abschätzung der ökonomischen Klimafolgen ohne Berücksichtigung von Kipppunkten).

Quelle: 3 Grad mehr

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