21. Mai 2024

Der Homo Sapiens sorgt für einen der größten Faunen- und Florenwandel der Erdgeschichte

Der Mensch ist dabei, eine Vielzahl anderer Arten auszurotten. Die Lebensvielfalt ist in Gefahr. Inzwischen dominieren wir jedes Ökosystem auf der Erde. Doch unsere Kinder- und Enkelkinder werden auf einem biologisch verarmten Planeten leben müssen.

Der Klimawandel und die von ihm ausgelösten Hitzewellen und anderen Extremwetterereignissen werden den Druck auf die Tier- und Pflanzenwelt massiv erhöhen. Die Tier- und Pflanzenwelt steht ohnehin schon unter einem gewaltigen Druck, der durch die immer kleiner werdenden Lebensräume entsteht. Bestes Beispiel ist hier die Zerstörung des Regenwaldes. Die globale Krise der Biodiversität, die wir momentan erleben, ist allerdings keine Folge des Klimawandels, sondern wird von den massiven Lebensraumzerstörungen durch Landwirtschaft und Urbanisierung verursacht. Dazu kommen der großflächige Einsatz von Pestiziden, die Einschleppung invasiver Arten sowie Jagd, Fischfang und Wilderei. Gegenwärtig sterben pro Jahr zwischen 11.000 und 58.000 Arten aus, ein Verlust, der die natürlichen Aussterberate bereits um Größenordnungen übertrifft.

Der Naturschutz hat sich in den vergangenen Jahren primär auf seltene und gefährdete Arten konzentriert. Neue Daten belegen jedoch, dass die Dramatik der Krise dabei weit unterschätzt wurde, denn die Tierwelt stirbt in ihrer ganzen Breite. Eine aktuelle Studie britischer und tschechischer Forscherinnen und Forscher beziffert den Verlust an Vogelindividuen in der Europäischen Union auf 17 bis 19 Prozent der Gesamtpopulation seit 1980. In der Summe ist die Gesamtzahl der Vögel jedoch um bis Millionen geschrumpft, wobei vorwiegend Arten der Agrarlandschaft betroffen sind. Der Rückgang trifft in erster Linie häufige Arten wie Schafstelze, Star, Feldlerche und Haussperling, dessen Bestände sich halbiert haben. Sicher damit in Zusammenhang steht auch das sogenannte Insektensterben, das eine Krefelder Entomologengruppe aufgedeckt und das mittlerweile für weitere Länder bestätigt wurde.

Andere Studien belegen einen Einbruch der globalen Seevogelpopulation um knapp 70 Prozent seit 1950. In gut der Hälfte der verbliebenen tropischen Wälder leben infolge von Jagd und Wilderei praktisch keine größeren Säugetiere mehr. Das Horrorbild der Empty forests macht die Runde. Auch der Living Planet Report des WWF und der Zoologischen Gesellschaft London, der sich auf mehr als 20.000 überwachte Populationen von Wirbeltieren in der ganzen Welt stützt, beklagt einen Rückgang von 68 Prozent seit 1970 – an Individuen wohlgemerkt, nicht an Arten! Um das ganze Ausmaß dieser historischen beispiellosen Faunavernichtung zu beschreiben, wurden Begriffe wie Defaunation oder biologische Auslöschung geprägt.

Bislang hat der Klimawandel wenig zu dieser Entwicklung beigetragen. In Zukunft wird er sie aber noch verstärken und trifft dabei auf eine Tier- und Pflanzenwelt, die bereits enorm unter Druck steht und durch den Verlust unzähliger Individuen genau das zu verlieren droht, was in einer sich schnell verändernden Umwelt das Überleben sichern könnte: Ihre genetische Vielfalt.

Quelle: 3 Grad Mehr

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